Schon von Weitem ist die Geräuschkulisse durch die Gänge des ehrwürdigen Schlosses zu hören. Je näher man kommt, desto lauter werden die munteren, aufgeweckten Stimmen. Im Salon eine ausgelassene, heitere Runde, teils über den Tisch gebeugt, teils wild gestikulierend. Man ist angeregt, inspiriert, die Gespräche werden immer lebhafter.
Da ertönt plötzlich ein Plopp - alle Köpfe drehen sich und beobachten erfreut, wie sich ein Korken aus einer Champagnerflasche bis in 2 Meter Höhe bewegt. Ahhh dieses Geräusch, wie schön. Steht es doch für Ausgelassenheit, die Dinge mal ziehen lassen, die Lebensfreude rauslassen, einfach mal albern sein! Herrlich. An diese Faszinosum hat sich bis heute nichts verändert, jeder erkennt sofort dieses Geräusch.
Diese Szene wurde in einem ganz besonderen Bild
festgehalten: dem "Déjeuner d'Huîtres" von Jean-François de Troy aus 1735. Es soll sich hierbei um das erste bekannte Gemälde handeln, das den Genuss von perlendem Champagner zeigt! Zuvor gab es in der Champagne Jahrhunderte lang nur Stillwein. Perlen im Champagner wurden sogar als Fehler bewertet und man unternahm viele Bemühungen, damit sich diese nicht im Wein zeigen!
Erst später erkannte man den inspirierenden und sensorischen Effekt und es konnte damit endlich auch der über hundert Jahre lange Streit zwischen Burgund und der Champagne beendet werden, welche Region den besseren Wein produziert.
Das "Austernfrühstück" wurde von Louis XV (Ur-Enkel des Sonnenkönigs Louis XIV) für einen besonderen Speisesaal im Schloss Versailles in Auftrag gegeben, den er insbesondere für kleinere Gesellschaften mit Freunden oder mit seiner Geliebten Madame Pompadour nutzen wollte. Die großen Gelage seines Ur-Großvates behagten ihm nicht, dafür war er viel zu schüchtern.
In diesem Gemälde sind demnach also wohl auch die allerersten Champagnergläser zu sehen: es handelt sich um kleinere Kelchgläser mit Fuß und mittelgroßer, runder bis leicht tulpenförmiger Kuppa (Kuppa ist die Bezeichnung für die obere Schale eines Trinkgefäßes). Diese Gläser wurden wie eine Art Universalglas für stärkere oder hochwertigere Weine und Liköre verwendet. Für gewöhnlichere Tafelweine verwendete man größere, derbere (dickwandigere) Gefäße.
Champagner trank man zu dieser Zeit in einem Schluck. Dabei musste man acht geben, nicht zu viel vom Sediment hinunterzuschlucken, das insbesondere aus abgestorbener Hefe durch den Gär- und Reifeprozess in den Flaschen zurückblieb. Das Degorgieren kam erst später! Der nächste Schluck wurde in vornehmen Kreisen in ein jeweils frisches Glas gegossen.
Die Champagnerschale: Ein Mythos besagt, dass sie inspiriert wurde durch die Form der Brust der Marie Antoinette. Jedoch kam die Schale bereits deutlich früher in Mode: im 17 Jahrhundert in England. Dort soll sie für große Festivitäten und die steigende Polularität des Champagners konzipiert worden sein. Die Form ist jedoch nicht ideal, weil die Kohlensäure zu schnell entweicht und die Aromen nicht zur Nase hin kanalisiert werden, sondern in die Luft entweichen. Die Oberfläche ist zu groß.
Die Flöte kam ungefähr 1950 in Mode, als Nachfolger der Champagnerschale. Damals stand sie für Eleganz, Finesse durch das schlanke Design. Sie konserviert auch besonders gut die Perlage im Champagner, jedoch können sich durch die extrem limitierte Oberfläche kaum Aromen entfalten. Dadurch geht ein Großteil des Geschmacks des Champagners verloren.
Es gibt kein einzelnes, ideales Champagner Glas, jeder hat eine andere Präferenz, die man für sich selbst herausfinden muss. Hier ein paar Parameter, auf die man achten kann:
Entfaltung der Aromen: Ideal ist ein bauchiges, mittelgroßes Glas, dass sich zur Nase hin leicht verengt (Kanalisation der Aromen).
Das Mundgefühl: Ideal sind mundgeblasene oder sehr feine maschinengefertigte Gläser mit einem sehr feinen Rand, so kann der Champagner wie Seide auf die Zunge perlen. Bei dickeren Gläsern mit einem Rollrand beispielsweise stolpert der Wein so richtig in den Mund.
Größe des Glases: Je komplexer und gereifter der Champagner desto größer kann das Glas sein. Handelt es sich um einen sehr jungen, unkomplizierten Champagner, wäre de Raum eines großen Champagnerglases zu groß, so dass sich die Aromen verlieren würden. Ein schlankeres Glas betont die Säure, Finesse und Mineralität, während ein großes Glas den Champagner runder, generöser und weiniger macht.
Oft ist es ausreichend, ein Weißweinglas zu wählen, wenn man nicht zu viele verschiedene Weingläser im Schrank haben möchte.
Ein Universalglas kann passen, kann aber auch manchmal eine zu große Öffnung haben, so dass die Kohlensäure zu schnell entweicht. Manche lieben Champagner aus großen Rotweingläsern, das kann wie oben beschrieben auch passen, nur sollte man dann kleine Mengen einschenken, damit die Kohlensäure nicht zu schnell entweicht.
Dann kommt auch oft die Frage, ob man den Champagner im Glas schwenken soll. Das kann man auch nur für sich selbst entscheiden. Durch das Schwenken geht Kohlensäure verloren und man sagt, dass durch die Kohlensäure mehr Aromen nach oben steigen, als bei Stillweinen. Deswegen müsse man nicht schwenken. Wenn einen der Verlust an Kohlensäure aber nicht stört und einem die Aromen wichtiger sind, kann man es dennoch tun, da gibt es keine starre Regel.
Die Suche nach dem perfekten Champagnerglas bleibt also weiter ein beliebtes Thema unter ambitionierten Weinliebhabern. Da die Glaskultur in den letzten Jahrzehnten immer weiter an Bedeutung gewonnen hat, gibt es auch Gläser für jeden erdenklichen Weintyp, so auch für den Champagner.
Wie immer beim größten und wunderbarsten aller Schaumweine sind auch in Punkto Gläser der Individualität und der Experimentierfreude keine Grenzen gesetzt!