Côte des Bar

Die Champagne ist ein überaus weitläufiges Anbaugebiet mit hinsichtlich des Klimas und der Böden teils extrem unterschiedlichen Bereichen. Besonders augenfällig wird dieser Umstand, wenn man den Weinbau im Departement Aube ganz im Süden der Region betrachtet: Die größten Rebflächen – immerhin gut 7000 Hektar – liegen hier recht weit verteilt an der sogenannten Côte des Bar mit seiner malerischen Kapitale Troyes. Dort, an den Ufern der Flüsse Seine und Aube, ist man geographisch Burgund näher als dem Kernland der Champagne. Bis Êpernay sind es stolze 100 Kilometer, während Chablis nur einen Steinwurf entfernt scheint. Diese Lage hat selbstredend deutliche Auswirkungen auf das Kleinklima der Region, so ist dieses stärker kontinental geprägt, mit kälteren Wintern und wärmeren Sommern.

Das Terroir im Departement Aube ähnelt hinsichtlich seiner Zusammensetzung ebenfalls sehr stark dem Untergrund in Burgund: So tritt der Kalk – anders als beispielsweise an der Côte des Blancs – nicht offen zutage, sondern wird von einer unterschiedlich mächtigen Lehmschicht bedeckt. All diese Faktoren wirken sich unmittelbar auf den Charakter der Weine der Region aus: Der Pinot Noir dominiert den Sortenspiegel unangefochten und ergibt besonders kräftige, fruchtbetonte und gut strukturierte Weine von tendenziell hoher Reife, die den versierten Verkoster in der Tat nicht selten an Burgunder denken lassen. Einzig in der kleinen Exklave Montgeux unweit von Troyes dominiert der Chardonnay, wobei auch dieser den Ruf genießt, mit der „burgundischste“ der Champagne zu sein.

Historisch betrachtet ist die Aube steinaltes Winzerland, so datieren die ersten weinbaulichen Spuren bis weit zurück in gallo-römische Zeiten. Im Mittelalter war Troyes Sitz der Grafen der Champagne und bereits seit dem 12. Jahrhundert betrieben die Mönche von Clairvaux unweit von Urville, einem der heutigen Zentren der Weinherstellung, Rebkultur in ernst zu nehmendem Umfang. Bei der Weinherstellung überwog jedoch sehr lange der Gamay, aus dem eher einfache Tischweine für den örtlichen Konsum bereitet wurden. Ein Überbleibsel dieser langen Stillwein-Tradition ist der berühmte wie begehrte Rosé de Riceys der allerdings meist aus Pinot Noir hergestellt wird. 1908 erwirkten die Winzer des Kerngebiets der Champagne ein Dekret in Paris, demnach Schaumwein von der Aube nicht Champagner heißen darf. Als dies 1911 sogar gesetzlich festgelegt wird, kommt es zum Winzeraufstand im Departement Aube mit Straßenschlachten und mehreren Toten. Die Armee muss eingreifen. Am 7. Juni 1911 gibt die Regierung nach und ändert das Gesetz: Aube gilt jetzt als "deuxième zone", darf also "Champagner zweiter Klasse" deklarieren.

Seit dieser Wende fand eine ernsthafte Hinwendung zu Qualitätsrebsorten sowie zur Erzeugung von Schaumweinen unter der Appellation Champagne. Eine offizielle Lagenklassifikation gibt es bis heute nicht. Nichtsdestotrotz hat sich die Aube – allen voran die Côte des Bar, aber auch Ausnahmeerscheinungen wie Montgeux – in den letzten Jahrzehnten zu einer festen Größe im Gesamtkontext der Champagne entwickelt. Die großen Häuser schätzen in erster Linie die körperreichen Pinots der Gegend als Rückgrat vieler ihrer besten Cuvées. Zudem erweist sich die Aube zunehmend als kreatives Zentrum einer erstarkenden Winzerchampagner-Bewegung mit einer überproportional hohen Dichte an qualitätsversessenen Individualisten.

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